Was von KBS 134 übrig ist - Streckenporträt (Niebüll-) Lindholm-Flensburg (1)
Als die
nördlichste Ost-West-Verbindung in Deutschland wird der ehemaligen
Strecke (Niebüll-)Lindholm-Flensburg eine
militärisch-strategisch wichtige Bedeutung zugemessen. Bereits am
31. Mai 1981 im Personenverkehr stillgelegt, ist bis auf den radikalen
Rückbau an vielen Stationen immerhin die durchgehende Verbindung
erhalten geblieben. Wenn man bedenkt, dass die Strecke am 1. Oktober
1889 in Betrieb genommen wurde, wäre sie kurz nach ihrer
Stilllegung bereits 100 Jahre alt geworden. Scheinbar kräht heute
aber kaum ein Hahn mehr danach.
Die rund 36 km lange Strecke berührt zahlreiche Ortschaften, die
auch heute noch auf den eher mühseligen Schnellbusverkehr zwischen
Niebüll und Flensburg angewiesen sind. Der wichtigste Ort entlang
der Strecke ist die Stadt Leck, die auch weiter unten kurz
porträtiert wird. Angeschlossen ist die Strecke, das wissen die
Eisenbahnfreaks, an die Marschbahn Hamburg-Westerland im Westen und
Flensburg-Hamburg im Osten.
Im Jahre 2006 war ich entlang der Strecke im Rahmen eines Kurzurlaubs
unterwegs und habe drei Bahnhöfe fotografisch festgehalten, wobei
mich wunderte, dass an einigen Unterwegsbahnhöfen doch scheinbar
noch "alles" erhalten geblieben ist. Zwischen Unaften und Leck wird die
Strecke heute für einen Draisinenverkehr genutzt, woran sich
hoffentlich sobald nichts ändern wird, da dieser touristische
Verkehr die Trasse hoffentlich vor weiteren Rückbaumaßnahmen
schützen wird - vorläufig.
Schauen wir uns doch erst einmal alle soweit "historisch" vorhandenen
Stationen dieser nordfriesischen Strecke an, die einst im Personen- und
Güterverkehr bedient wurden - farbig hervorgehoben sind Stationen,
die weiter unten auf den Fotos dokumentiert sind:
| km |
Klasse |
Station |
| 0 |
Bf |
Flensburg |
| 3,3 |
Bf |
Flensburg-Weiche |
| 8,9 |
Bf |
Handewitt |
| 10,9 |
Hp |
Unaften |
| 18,7 |
Bf |
Schafflund |
| 25,1 |
Bf |
Sprakebüll |
| 28,4 |
Bf |
Achtrup |
| 31,8 |
Bf |
Leck |
| 39,2 |
Bf |
Lindholm |
| 43,6 |
Bf |
Niebüll |
Im Jahre 2006 sah ich mir zunächst einmal den Bahnhof
Sprakebüll an. Hier schien noch "alles" von damals vorhanden zu
sein. Das gepflegte Bahnhofsvorfeld spricht für eine gewisse
Pflege, die sicherlich touristisch motiviert ist wegen des
Draisinenverkehrs, der von Leck bis nach Unaften durchgeführt
wird. Wer entlang der Gleise ein paar Schritte wagt, wird
überrascht sein, aber bitte sehr - hier erstmal die
"posthistorischen" Fotos.
Sprakebüll ist ein beschaulicher Ort, ein typisch nordfriesisches Dorf. Mit heute knapp über 200 Einwohnern
wundert man sich doch arg, dass die Gleisanlagen dieses Bahnhofes immer noch so umfangreich erhalten
sind. Das gepflegte Bahnhofsbild im Vorfeld überzeugt - umso mehr die Gleisanlagen, die meiner
Meinung nach komplett erhalten sind. Überraschend: ein paar Schritte weiter existiert immer noch
der Mittelbahnsteig. Dazu mehr auf den nächsten Fotos.
Nun gut, das Abzweiggleis ist schon von der Natur heimgesucht und zugewachsen. Gleissperre liegt noch.
Gehen wir nun ein Stückchen weiter an der Raiffeisen-Genossenschaft vorbei, stoßen wir unweigerlich
auf den Mittelbahnsteig. Was auf diesem Foto kaum zu erahnen ist, links liegt noch das zweite
Bahnsteiggleis, welches noch beidseitig ans Hauptgleis angeschlossen ist. Der Bahnsteig ist
von beachtlicher Länge, was darauf hindeutet, dass hier nicht nur Schienenbusse bzw. Triebwagen
fuhren, sondern dass die Nahverkehrszüge lokbespannt waren mit einigen Personenwagen.
Blickrichtung Flensburg.
Alles klar? Hier ging was! Eisenbahnverkehrsmäßig gesprochen. Zugkreuzungen und
Güterverkehr in einem (heute) 230-Seelen-Ort. Faszinierend, wie zumindest ich finde! Allerdings
sucht man eine Fußgängerüberführung vergeblich. Weiß jemand mehr?
Schön gepflegt, wie es sein soll. Die Schranken an den einzelnen Bahnübergängen wurden
im Rahmen des Draisinenverkehrs ortsnah aufgestellt (Blickrichtung übrigens immer noch Flensburg!).
Ich bin begeistert. Hat jemand noch Fotos vom Bahnverkehr damals? Ich wäre sehr dankbar
für eine Kontaktaufnahme. Okay, "fahren" wir also fort - mit meiner
Bildergalerie und gleichzeitig an einen anderen Ort entlang der Strecke!
Schafflund zum Greifen nahe - immerhin das 10-fache an Bewohnern, nämlich über 2200 laut aktuellerer Zahlen,
ist dieser (ehemalige) Bahnhof ähnlich proportioniert wie Sprakebüll, allerdings erstaunlicherweise ohne
Mittelbahnsteig, sondern nur mit Ladegleis entlang einem Güterschuppen. Vielleicht war dies mal anders,
aber über Rückbaumaßnahmen bzw. jenes, was einmal war, fehlen mir leider jegliche nähere Informationen
und ich bin auf die Infos anderer angewiesen (nochmals: weiß jemand mehr zur Historie der Stationen
an dieser Strecke? Oder hat jemand Fotos aus vergangener Zeit, mit oder ohne Betrieb? Ich wäre für
jedwede Bereicherung dieser Historie sehr dankbar!) Zurück zum Thema: SCHAFFLUND!
Auch hier: der Schlagbaum wegen des Draisinenverkehrs am Bahnübergang - Blickrichtung Flensburg!
Das gepflegt wirkende Empfangsgebäude wird heute wohl als Wohnhaus benutzt. Der Baustil ist
charakteristisch für die Bahnbauten aus der Jahrhundertwende in dieser Region. Auch die
angebaute (ehemalige) Gepäckabfertigung ist noch vorhanden.
Die Weiche zum Ladegleis liegt auch noch. Der gar nicht mal so kurze Hausbahnsteig
ist weiter "hinten" im Bild auch noch als existent zu erkennen. Diese Aufnahme zeigt
nun natürlich die Blickrichtung Lindholm/Niebüll. Schafflund ist von der Kilometrierung
her mit 18,6 km sozusagen der "Mittelpunkt" der 36 km langen Strecke.
Nun also weiter nach Leck:
Leck ist ehemals mit heute rund 7800 Einwohnern der wichtigste Ort entlang
der Strecke gewesen. Im Gegensatz zu den oben genannten "Dorfbahnhöfen"
hat man hier jedoch einen Raubbau, Verzeihung: "Rückbau", an den
Gleisanlagen betrieben, der fast wehtut. Von den umfangreichen
Nebengleisanlagen, den Bahnsteigen und natürlich den Flügelsignalen
ist heute außer dem Hauptgleis nichts mehr vorhanden. Hier die
Bahnhofseinfahrt in Richtung Flensburg. Hinten rechts das
attraktive (ehemalige) Empfangsgebäude.
Einmal umgedreht: am BÜ vor dem Bahnhof hat man schon vor einiger Zeit anscheinend die Andreaskreuze
demontiert (die Pfähle stehen ja noch) - die rechtsstehende Rautentafel deutet darauf hin,
dass hier einst ein Bahnübergangssignal in Richtung Lindholm zu erwarten war.
Die dreieckige, weiße Zusatztafel besagte nichts weiter, als dass das Signal
halt nicht im Bremswegabstand zum Bahnübergang stand (was ja hier offensichtlich ist).
Hier noch einmal das Szenario von weiter zurück. 28,8 km von Flensburg-Weiche entfernt.
Nichts mehr zu sehen von Bahnsteigen und Ausweichgleisen.
Das Empfangsgebäude ist sehr gepflegt, der angeschlossene Güterschuppen ebenso.
In Leck beginnt heute der Draisinenverkehr bis Unaften. Landschaftlich bestimmt
reizvoll, sodass ich mir auf die Fahnen geschrieben habe, in absehbarer
Zeit einmal die Strecke zu befahren. Hier einer der ersten "Schlagbäume"
in Blickrichtung Flensburg.
Infos zu weiteren Stationen folgen noch.
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